Auf der Suche nach Indien - Buch
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„Wir sind hier nicht im Lande, um angenehme Umgangsformen zu pflegen.“ Diese zynische Feststellung Ronny Heaslops ist typisch für den englischen Kolonialbeamten in Indien. Aber auf seine Mutter, die erst vor kurzem aus England eingetroffen ist, wirkt sie schockierend. Sie hat bei einem Besuch der Moschee von Tschandrapur den sympathischen indischen Arzt Dr. Aziz kennengelernt, und dieses Zusammentreffen hatte ihre Überzeugung gestärkt, daß es Gemeinsamkeiten zwischen den Rassen geben kann, wenn man bereit ist, sich mit Toleranz und dem Willen zur Verständigung zu begegnen. Doch die Wirklichkeit indischen Koloniallebens belehrt sie rasch eines anderen. Unüberbrückbare Gegensätze türmen sich zwischen Engländern und „Eingeborenen“ auf; eine Atmosphäre wachsender Spannungen beherrscht die kleine indische Stadt. Unter solchen Vorzeichen muß der von Dr. Aziz angeregte gemeinsame Ausflug zu den geheimnisvollen Grotten von Marabar zu einem Fiasko werden. Tatsächlich ist es Dr. Aziz, der das Opfer einer ebenso harmlosen wie gefährlichen Verstrickung von Zufällen und Umständen wird. Nur Cyril Fielding, sein liberal gesinnter weißer Freund, vermag in letzter Minute eine Tragodie zu verhindern. Vor dem etwas makabren Hintergrund eines exotischen indischen Festes kommt es zu ihrer vorläufig letzten Begegnung, die bei aller Unvereinbarkeit der Gegensätze die Hoffnung auf jenen Tag erkennbar werden läßt, an dem sich beide Völker frei und gleichberechtigt gegenüberstehen werden.