Titel Das Evangelium nach Jesus Christus
Ausgabensprache Deutsch
Übersetzt von Andreas Klotsch
ISBN 3498062816
EAN 9783498062811
Ausgabe Gebundene Ausgabe
Inhalt/Klappentext

Am Anfang stand die Gewissheit: Jesus hatte sich als Gottessohn offenbart. Seine Interpreten nahmen die Frohe Botschaft auf - bis sie schliesslich hinter tausend frommen Dogmen verschwand.

José Saramago aber lässt Jesus selbst wieder zu Wort kommen. Er zeichnet ihn als "Mensch unter Menschen": lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und geniesserisch, manchmal aber eben auch ängstlich und unsicher.

Wie viele Neugeborenen Herodes wohl seinetwegen getötet hat, fragt sich Jesus in seinen düsteren Träumen schon als Kind. Von Schuldgefühlen gequäl und auf der Suche nach Wahrheit, verlässt er als einfacher Tischlerlehrling sein Elternhaus, dient bei Bethlehem vier Jahre lang einem Hirten, lebt später unter Fischern am See Genezareth. "Du wirst Macht und Ruhm erlangen", wird ihm eines Tages in der Wüste aus einer Rauchsäule verkündet. Aber was hat dieses rätselhafte Omen zu bedeuten? Mit fünfundzwanzig erfährt er endlich den Grund für seine quälende Unrast: Sein bisheriges Leben war eine Prüfung, denn er ist auserwählt von Gott. Und nun hat er sogar die Möglichkeit, sich im Beisein des Teufels mit Gottvater über seine zukünftigen Erlösungswerke zu unterhalten. Jesus hat freilich sehr irdische Erfahrungen gesammelt, und unverblümt stellt er einige naheliegende Fragen: Ist seine grosse Liebe zu Maria Magdalena verwerflich? Warum heben die Wunder, die er vollbringen kann, den Tod nicht auf, sondern verschieben sein Eintreten nur? Und warum schlägt Gott die Versöhnung mit Luzifer aus? Wie ist das lange, alphabetisch geordnete Martyrologium, das die Todesarten für Märtyrer aufzählt, wie ist die Liste von grausamen Foltermethoden der Inquisition mit der Lehre von der christlichen Nächstenliebe vereinbar? Warum schliesslich zieht Gott nicht selber aus, um dafür zu sorgen, dass die Menschen an ihn und nicht an andere Götter glauben? Der Herr verstrickt sich mit seinen Antworten in unauflösbare Widersprüche, zu vielen Fragen findet er keine Antwort, aber Jesus erkennt, dass sich hinter seinem irrationalen und konfusen Plan, der nur auf Kosten des irdischen Glühatcks der Menschen ausgeführt werden kann, nichts als despotischer, gänzlich unchristlicher Hunger nach Macht verbirgt. Und dafür, so meint Jesus mutig und mit lebensbejahendem Instinkt, lohne es nicht, am Kreuz zu sterben.

Saramago verleiht in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überrraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage, so dass es kaum verwundert, dass dieser Roman nach Erscheinen in Portugal und anderen katholischen Ländern heftigste Debatten über die Rolle der Kirche im Staat auslöste.

"'Das Evangelium nach Jesus Christus' hat alles, was man von einem grossen Roman erwartet: eine im höchsten Masse spannende Handlung, packende Dialoge, Ironie, Tiefe, Subtilität. Saramago wagt sich auf heikles Terrain, und dabei ist sein Jesus Christus menschlicher und christlicher, als er jemals zuvor dargestellt wurd." (Letras)

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Auflagen
Cover Auflage Seitenanzahl Erscheinungsjahr
Cover von Das Evangelium nach Jesus Christus Erstauflage 510 1993
Cover von Das Evangelium nach Jesus Christus
Auflage
Seitenanzahl
510
Erscheinungsjahr
1993