Jurij Brezan erzählt die Geschichte des Gymnasiasten Felix Hanusch, der zwar die längsten Flüsse und höchsten Berge der Welt auswendig weiß, chemische und mathematische Formeln kennt, englische, lateinische und griechische Vokabeln beherrscht - aber im Grunde nichts weiß. Eines nur hat er sich vorgenommen: Er wird viel Geld verdienen, damit sich die Eltern nicht mehr grämen müssen und auch der Vater Zeit hat, sich um die Kinder zu kümmern, und er wird dafür sorgen, daß die Mutter nie wieder wegen ihrer sorbischen Tracht ausgelacht wird. Aber wie er das schaffen soll, das ist ihm nicht klar. Gewiß, er wird eifrig lernen, die Zeit als „Kapitelräuber“ beim Domherrn, die er noch sorglos verbummelt hat, ist längst vorbei. Und er wird sich Freunde suchen, denen er gern gleichen möchte wie Bodo, dem Arztsohn. Aber dennoch fühlt er, daß ihn die Kameraden und ihre Eltern nur dulden und daß er für sie ein Außenseiter bleiben wird. Darüber täuschen ihn auch die Mädchenbekanntschaften nicht hinweg, die er hat: Grits Freundinnen lachen ihn aus, als er in geliehenen Lederhosen zu einer Geburtstagsgesellschaft kommt, und für die rothaarige Anneliese bleibt er ein „wend'scher Bauer“. Aber da gibt es auch Menschen, die arm sind wie seine Eltern und die ihm helfen, ohne viel zu fragen. Das Aschemädchen Agnes, eine „Rote“, gehört zu ihnen. Er kennt sie kaum und fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. In ihrer Dachkammer erzählt er den „Faust“ und läßt sich durch ihre Fragen provozieren, sein angelerntes Wissen in Frage zu stellen. Bei einer
Demonstration schützt er sie vor den Nazi-Schlägern und verrät sie doch. Felix erkennt nur langsam, wo er hingehört. Immer wieder zögert er, denn genügt es nicht, daß Beate und er sich einfach lieben, auch wenn ihr Vater Gutsbesitzer ist und sie in vielem andere Meinungen hat? Aber Mädchen kann man nicht teilen, und Widersprüche kann man nicht einfach beiseite schieben. Auch Felix muß schließlich Farbe bekennen. Und so bekommt er nach jahrelangem Büffeln zwar kein Abitur, aber er hat seine Prüfungen bestanden.
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