Nichts ist mehr danach angetan, die biologischen Begriffe zu verwirren, als das Leben dieses Menschen, der, ein zuckendes, alle Augenblicke in Krämpfe verfallendes Nervenbündel, „so empfindlich, als ob man ihm die Haut abgezogen hätte und schon die bloße Luft ihm Schmerz verursachte“ (ein Zitat aus „Memoiren aus einem Kellerloch“), es immerhin auf volle sechzig Jahre brachte (1821-1881) und in den vier der Produktion gehörigen Jahrzehnten davon ein kolossales Lebenswerk von unerhörter Neuheit und Kühnheit, von wogender Fülle der Leidenschaften und Gesichte auftürmte - ein Werk, das außer dem „verbrecherischen“ Erkenntnis- und Bekenntnisfuror, mit dem es die Kunde vom Menschen erweitert, eine erstaunliche Menge von Mutwillen, phantastischer Komik und „Lustigkeit des Geistes“ in sich schließt. Denn unter anderem war dieser Gekreuzigte ein ganz großer Humorist.
Thomas Mann
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