"Distanz ist eine gute Position, um die wesentlichen Dinge zu sehen", sagt der Zeichner und Maler Gerhard Haderer. Distanz zu den Deutschen hat er zumindest geographisch. Mit seiner Familie lebt er in Linz, der beschaulichen oberösterreichischen Stadt an der Donau, beobachtet die österreichische und die deutsche Gesellschaft und bringt seine bösartigen Kommentare mit feinstem Pinselstrich aufs Papier. Sein eigentliches Phänomen liegt im Detailreichtum seiner Darstellungen. Häuser, Wohnungseinrichtungen, Strassen und nicht zuletzt die Menschen, der er zeichnet, haben einen Wiedererkennungswert. Und da liegt sein Trick. Auf den ersten Blick zeigt er uns eine fast fotografisch abgebildete Welt, die wir zu kennen glauben, auf den zweiten zeigt er das Absurde in dieser Welt. Oder - wie er es ausdrückt: "Der erste Blick ist Sonnenschein, der zweite nicht mehr ganz so heiter." Während andere Karikaturisten mit Symbolen und Metaphern arbeiten, zeichnet Haderer die Welt, wie sie ist. Nur, dass er die real existierenden Dinge so zusammensetzt, dass sie eine neue Aussage haben. Damit erzeugt er Gelächter und Applaus, aber auch Unverständnis und Empörung. Und genau das will er. Er will polarisieren. Und weil ihm das jede Woche mühelos gelingt, gehört seine Seite zu den meistbeachteten im "stern". Und das seit nunmehr zehn Jahren.
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