Titel Fiammetta
Ausgabensprache Deutsch
Übersetzt von Sophie Brentano
Verlag Insel-Verlag
ISBN 3735100767
EAN 9783735100764
Ausgabe Leinen
Inhalt/Klappentext

In diesem lyrischen Liebesroman - Boccaccios Meisterwerk vor dem Decamerone‹ sowie in vielen Zügen Vorstufe für einzelne seiner Erzählungen - hat der Dichter einer edlen Dame, die von ihrem Geliebten verlassen worden ist, das Wort gegeben. Ist es Boccaccios Verdienst, im Anschluß an die Neubewertung der Antike erstmals in der neueren
Literatur den Menschen in seiner Individualität erfaßt zu haben, so vermag auch dem heutigen sachlicheren Leser das zermürbende Widerspiel von Glück und Leid eines kurzen, aber tiefen Liebeserlebnisses in seiner feinsinnigen Gestaltung noch Interesse und Anteilnahme abzugewinnen. Boccaccios indirekt einfließende Erinnerung an Neapel, wo er im Kreise einer überständischen, humanistisch gebildeten Renaissance-Aristokratie glücklich gewesen ist, schafft einen wirksamen Kontrast zu Fiammettas Unglück. Man liebt es, dieses Buch als den Prototypus des modernen psychologischen Ich-Romans zu betrachten, und gewiß, wer es liest, muß an Goethes Werther< oder Benjamin Constants ›Adolphe‹ denken. Und dennoch liegen hier die Verhältnisse ganz anders. Sowohl Goethe wie Constant sind bei ihren Hauptpersonen von sich selber ausgegangen - mit Einschränkungen, mit Übertreibungen, mit dichterischen Freiheiten und künstlerischen Abänderungen des Wirklichen haben sie immerhin ein Bild von sich selber gegeben. Werther ist und bleibt Goethe, wenn auch ein Goethe, den Goethe abschütteln mußte, um wahrlich Goethe zu werden. Dasselbe gilt mutatis mutandis für Constant und Adolphe. In der ›Fiammetta< ist das Problem verwickelter. Fiammetta hatte Boccaccio betrogen - zunächst hatte er nichts anderes tun können, als seinen eigenen Schmerz auszuschreien, die Ungetreue zu beschimpfen, dem verlorenen Glück nachzutrauern ... und immer zu hoffen, daß es noch wieder anders werden würde. Nun aber die Zeit einiges gemildert hat, findet er eine neue Form: was ihm geschehen ist, wird auf sie übertragen. Nicht der Mann ist betrogen, sondern die Frau, nicht die Geliebte treulos, sondern der Liebhaber.
André Jolles (1921)

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Auflagen
Cover Auflage Seitenanzahl Erscheinungsjahr
Cover von Fiammetta 2 238 1987
Cover von Fiammetta
Auflage
2
Seitenanzahl
238
Erscheinungsjahr
1987