"Vorgänger, Blut im Schuh", heisst es von den beiden Personen, die Christa Wolf in dieser Erzählung zu einer fiktiven Begegnung in Winkel am Rhein, im Haus der Brentanos, zusammenführt - nur wenige Jahre, bevor beide freiwillig aus dem Leben gehen: Karoline von Günderrode, die unter dem Pseudonym Tian Gedichte, Prosa und dramatische Versuche veröffentlichte, setzte ihrem Leben 1806, sechsundzwanzigjährig, ein Ende, Heinrich von Kleist wählte vierunddreissigjährig, 1811, den Freitod. Zwei jener deutschen Dichter, die - wie Anna Seghers sagte - "ihre Stirn an der gesellschaftlichen Mauer wundrieben". "Christa Wolfs Buch ist ein grosses meisterhaftes Stück Prosa. Die Monologe, die die Gespräche der Teegesellschaft, sie kommentierend, in sich aufnehmen; die wechselnde Perspektive von Kleist zu Günderrode, von der Günderrode zu Kleist; das Münden der Selbstgespräche in den Dialog: eine kunstvolle und dabei gelöste Form hält ein vielschichtiges Gewebe zusammen, zu dem auch, in die Ferne transportiert, die Stimme der Dichterin selbst gehört. Der Kraft ihrer Prosa ist zur Zeit wohl weniges an die Seite zu stellen." Tages-Anzeiger, Zürich
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