Titel New York : Ansichten
Ausgabensprache Deutsch
Originaltitel New York
ISBN 3353003444
EAN 9783353003447
Ausgabe Leinen
Inhalt/Klappentext

Jeder kennt die Bilder: die Wolkenkratzer und Slums von Manhattan, brodelnde Straßenschluchten, hastende Bankangestellte, Obdachlose, Straßenmusikanten, Drogenopfer. Auch der Fotograf Arno Fischer hatte, als er erstmals diese Stadt betrat, die Bilder bereits im Kopf. Er kam nicht als Tourist, Fotografieren hieß für ihn, seinem New-York-Erlebnis Gestalt zu geben. Er mußte sich zurechtfinden, in der Stadt und in seinen Eindrücken, mußte der Faszination und dem Erschrecken über das wirkliche New York seine Sicht entgegensetzen, eine Perspektive, die das Chaos ordnete, für Momente erfaßbar werden ließ, zum Sprechen brachte. Das wirkliche New York: keine bebaute Fläche, sondern durchwirkter Raum, gegliedert von Bauten und Straßen, belebt von Fahrzeug- und Menschenströmen, durchsetzt von Farben, Verkehrslärm und Gerüchen. Alles bildet einen großen Zusammenhang, ist vernetzt und verkabelt (selbst die Wölkchen am blauen Himmel formieren sich zu Werbesprüchen), unterhöhlt von Tunneln, Schächten, Tiefgaragen, nachts ein Meer von blinkenden und fließenden, verheißungsvollen und trügerischen Lichtern. Manhattan streckt sich als lange Zunge südwärts der Pforte zum Atlantik entgegen. Zwischen den weithin sichtbaren Bürotürmen und Brückenköpfen drängen sich in jähem Wechsel Wohnviertel und Vergnügungszentren, Ghettos und Slums, Trümmerflächen und Parks. Nicht zu vergessen Hafen- und Industrieanlagen, Künstlerkolonien, Warenhäuser, Bahnhöfe, Hotels. Diejenigen, die sich New York leisten können, preisen seine mitreißende Dynamik, seine Extravaganz. Den Bewohnern der Slums bedeutet dieselbe Dynamik permanente Existenzbedrohung. Sie hassen die Stadt und können nicht von ihr lassen. Verschärft werden die sozialen Kontraste durch die Abwanderung der Mittelschichten in die Vorstädte; Bauspekulation und maßloser Mietwucher liefern den Sprengstoff für kommende Katastrophen. - Die Überlebensgesetze des Dschungels bieten passende Vorstellungen davon, was die Riesenstadt ständig explodieren läßt und doch zusammenhält.
Sich dem pulsierenden Lebensraum New York auszuliefern, seinen Rhythmus aufzunehmen und ihm mit heiler Haut zu entkommen war für Arno Fischer ein Problem der rechten Distanz. Er ist in jedem Bild anwesend als diskreter Beobachter, als Zaungast, als Betroffener. Die Pose des Insiders vermeidet er: Er forscht nicht in Gesichtern, sucht nicht den Dialog, stört die Stadt und ihre Bewohner nicht aus ihrer Beschäftigung auf. Sie geben zu erkennen, daß sie Fotografen gewöhnt und vor allem mit sich selbst beschäftigt sind, in Träume, Transaktionen und das eher traurige Geschäft der Selbstdarstellung verwickelt oder hingebungsvoll närrisch wie zu Halloween, dem Maskenfest in der Nacht zum 1. November. Auch die Glitzerfassaden und die imposanten Draufsichten bleiben bei Arno Fischer, was sie sind: Staffage für das eigentliche Geschehen, für die Magie des Wirklichen, die von den Fassaden und den Gesichtern allein nicht ablesbar ist. Sie liegt irgendwo dazwischen, in der Luft, und tritt bei eingehender Betrachtung aus dem Bild hervor. Arno Fischer, geboren 1927, studierte Bildhauerei, arbeitet seit 1954 als Fotograf, seit 1986 Professor für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig.
Veröffentlichungen im Verlag Volk und Welt:
»Polens Hauptstädte« (zusammen mit Rolf Schneider, 1974), »Leningrad« (zusammen mit Daniil Granin, 1981) und »Alt-Delhi Neu-Delhi« (zusammen mit Richard Christ,1983).

Es wurden bisher keine Bewertungen abgegeben.

Auflagen
Cover Auflage Seitenanzahl Erscheinungsjahr
Cover von New York Erstauflage 168 1988
Cover von New York
Auflage
Seitenanzahl
168
Erscheinungsjahr
1988