Die römische Philosophie kennt kaum einen originelleren Denker als Lukrez (ca. 97-55 v. Chr.), der für sie zu den grossen Vermittlern und Weiterdenkern griechischen Gedankengutes wurde. Ausgehend von den Lehren Epikurs, entwarf er in seinem Buch "Von der Natur" eine Philosophie, in deren Mittelpunkt die Theorie der Atome steht. Aus ihren Bewegungen leitete er nicht nur die Feinstruktur der Materie, sondern auch den Aufbau des Universums und die Formen der Seele, des Geistes und der Wahrnehmung ab. Es ist ein streng materialistisches System - dazu erdacht, die Welt als Werk von Naturgesetzen darzustellen. Lukrez, der sich in scharfer Polemik gegen alle Religion wandte, sah im Glauben an strafende Götter den Hauptgrund der Todesangst, die er für alles Unglück und alle Schlechtigkeit der Menschen verantwortlich machte. In sprachlicher Hinsicht gehört das Buch zu den eigenwilligsten und genialsten Leistungen der römischen Literatur. Lukrez hat seinem Stoff ein Höchstmass an Lebendigkeit, Anschaulichkeit und Bildkraft verliehen.
Es wurden bisher keine Bewertungen abgegeben.