Jede Stadt hat den Chronisten, den sie verdient, aber Zürich ist mit Mike Van Audenhove über Gebühr beschenkt. Mit dem geschärften Blick des Zuwanderers ortet der gebürtige Belgo-Amerikaner im gepützelten Grau der Limmatstadt jene Nischen, wo das Leben, das Chaos und die Absurdität aufblitzen. Auch für Comics gilt der Grundsatz, dass grosse Kunst das Allgemeine im Spezifischen findet. Unterstützt von der farbenspendenden Iris Pfister und dem Mit-Texter Roland Strobel, dessen offene Ohren feinste Variationen im Multikulti-Slang der Möchtegern-Weltstadt registrieren, hält uns Mike freitäglich im "züritipp" einen Zerrspiegel vor, der den knollennasigen Jedermenschen im Zürcher entlarvt. Besonders hoch schlägt einheimischen Lesern das Herz freilich, wenn sie ihre ureigensten Marotten wiedererkennen. Die schlichte, wortlose Dreier-Bildfolge etwa, die den Einfluss der Sonne auf das Temperament von uns Hochnebel-Opfern veranschaulicht, sagt mehr als hundert soziologische Studien. Und das Abenteuer der snöbenden Grüezini bei den Alpen-Yetis sowie die unheimlich frustrierende Begegnung mit dem Fahrrad-Phantom Stormey Archie zählen zu den 4000er-Gipfeln helvetischer Hochkomik. Weiter so. Bitte. Michel Bodmer, Comic-Kritiker
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