Die Zukunft des Krieges - Buch
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Ein Auszug aus der Einleitung "Was, Warum, Wie?"
Das vorliegende Buch hat einen Zweck. Es behandelt die
Grundprobleme des Krieges in allen Zeitaltern: Wer führt
Krieg? Worum geht es im Krieg? Wie wird Krieg geführt und
warum? Diese Fragen sind keineswegs neu, und allein schon die
Antworten verschiedener Menschen zu verschiedenen Zeiten und an
unterschiedlichen Orten aufzuzählen, käme einem Abriss der Kulturgeschichte
gleich. Gewiss werden viele Leser diese
Fragen für zu philosophisch und überdies für belanglos im Hinblick auf das
»praktische« Geschäft der Kriegführung halten.
Fest steht jedoch, dass keine menschliche Tätigkeit ohne eingehendes
Verständnis ihrer Grundregeln wirklich stattfinden,
geschweige denn gelingen kann. Die richtigen Antworten auf
diese Fragen zu finden ist daher lebenswichtig.
Dieses Buch hat auch eine Botschaft: Das gegenwärtige
»strategische« Denken in Bezug auf jedes dieser Probleme geht
schon im Ansatz fehl und gründet zudem in einem »Clausewitz'schen «
Weltbild, das teils veraltet, teils falsch ist. Wir stehen am Beginn einer
neuen Ära, nicht des friedlichen wirtschaftlichen Wettbewerbs zwischen
Handelsblöcken, sondern des Krieges zwischen ethnischen und religiösen
Gruppen. Während die vertrauten Gestalten des bewaffneten Konflikts im
Orkus der Geschichte verschwinden, recken gänzlich neue ihre Köpfe und
treten an deren Stelle. Bereits heute ist die militärische Macht, welche
die wichtigsten entwickelten Länder im »Westen« wie im »Osten« aufbieten
können, für die anstehende Aufgabe kaum geeignet. Mit anderen Worten, sie
ist mehr Illusion denn Substanz. Wenn diese Gesellschaften nicht bereit
sind, ihr Denken und Handeln den sich rasch wandelnden neuen Realitäten
anzupassen, werden sie eines Tages zum Einsatz organisierter Gewalt wohl
überhaupt nicht mehr fähig sein. Sollte es so weit kommen, steht auch ihr
weiteres Überleben als einheitliche politische Gebilde in Frage.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist ein neuer, nichtclausewitzischer
Begriffsrahmen für das Denken des Krieges und ein Blick in die Zukunft des
Krieges. Dem folgt der Aufbau des Buches.
Kapitel I, »Krieg heute«, erklärt,warum die modernemilitärische
Streitkraft weitgehend Mythos ist und warum unsere Vorstellungen vom Krieg
an einen toten Punkt gelangt sind. Kapitel II, »Wer führt Krieg?«, erörtert
das Verhältnis von Krieg, Staaten und Armeen sowie einer Reihe anderer
Krieg führender Organisationen, die weder Armeen noch Staaten sind. Kapitel
III, »Worum es im Krieg geht«, untersucht den bewaffneten Konflikt unter
dem Gesichtspunkt des Wechselspiels von Macht und Recht. Kapitel IV, »Wie
wird Krieg geführt?«, beschreibt die
strategische Führung auf allen Ebenen und ist zugleich eine Anleitung für
sie. Kapitel V, »Wofür wird Krieg geführt?«, untersucht die verschiedenen
Ziele, für die kollektive Streitkraft in der Geschichte eingesetzt wurde
und für die sie eingesetzt werden kann. Kapitel VI, »Warum wird Krieg
geführt?«, ist eine Analyse der Ursachen des Krieges auf der nicht
zweckrationalen
Ebene der Individuen. Kapitel VII, »Krieg morgen«, befasst
sich unter diesen Gesichtspunkten mit wahrscheinlichen Formen
des Krieges in Zukunft und bietet Überlegungen dazu,
wie er geführt werden wird. Dem folgt ein kurzes Schlusswort
unter dem Titel »Was bringt die Zukunft?«. Es soll die verschiedenen Fäden
miteinander verknüpfen und die wahrscheinlichen Grundzüge des Krieges in
zehn, fünfundzwanzig oder fünfzig Jahren skizzieren.