Beethoven - Buch
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Der Beethoven-Essay ist neben Oper und Drama Wagners bedeutendster Beitrag zur Musikästhetik. In ihm entwirft er eine Metaphysik der Musik und nimmt wesentliche Aussagen der früheren Abhandlung zurück.
Die von Schopenhauer beeinflusste Spätschrift befasst sich mit der Beziehung von Musik und Dichtung. Abweichend von vorhergehenden Überlegungen heißt es jetzt, dass Musik „nicht die in den Erscheinungen der Welt enthaltenen Ideen darstellt“, sondern „selbst eine [...] und zwar umfassende Idee der Welt“ sei, die „das Drama ganz von selbst in sich“ einschließe. Im Sinne von Immanuel Kants Transzendentalphilosophie, die Wagner von Schopenhauer vermittelt worden war, ist die Musik nun die apriorische Bedingung dafür, dass das Drama überhaupt möglich ist und muss nicht mehr durch Dichtung motiviert werden. Wagner geht so weit, ein Experiment des bekannten Kritikers Hanslick vom „Musikalisch-Schönen“ zu übernehmen und derselben Musik unterschiedliche Texte zu unterlegen. Es zeige sich, dass die Musik hierbei „nichts von ihrem Charakter verliert“, das „Verhältnis der Musik zur Dichtkunst“ also ein „durchaus Illusorisches“ sei.
Von Schopenhauers Unterteilung in Willen und Vorstellung ausgehend, untergliederte Wagner die Künste danach, ob sie zur Sphäre der Vorstellung oder des Willens gehören. Wie Schopenhauer ordnete er dem Willen nur die Musik zu, die auf diese Weise eine überlegene Position innerhalb der Künste erhielt und zum Kern des Dramas wurde. Die Musik überwinde die der Literatur und bildenden Kunst eigene Trennung in Subjekt und Objekt. Auf diese Weise hinterfragt Wagner den Objektcharakter der Musik, der das Konzept des Musikalisch-Schönen prägte und in der Auseinandersetzung mit Kants Kritik der Urteilskraft eine Rolle spielte. Der eigentliche Bereich der Musik sei nicht das Schöne, sondern das Erhabene und Unmittelbare. Das Erhabene bildet eine Gegenposition zum Schönen, das Wagner noch vom Schein herleitet, der an die Welt der Vorstellung gebunden sei.
Über die Oper Fidelio sprach Wagner mehrfach abwertend. Noch am 25. Dezember 1880 sagte er zu Cosima, das Werk sei Beethovens unwürdig. In seinem Beethoven-Essay erklärte er, dass einzig die dritte Leonoren-Ouvertüre offenbare, wie Beethoven „das Drama verstanden haben wollte.“ Die dramatische Handlung des Textes sei indes eine „fast widerwärtige Abschwächung“ des Dramas, das die Ouvertüre vorstelle; er verglich den Unterschied mit einem langweiligen Kommentar Georg Gottfried Gervinus’ zu einer Shakespeare-Szene. (Wikipedia)
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