Der Großtyrann und das Gericht - Buch
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Hier wird die gleichnishafte Geschichte aus dem fiktiven Stadtstaat Cassano zu Zeiten der italienischen Renaissance erzählt: Ein Mann ist ermordet worden, der Großtyrann fordert von seinem Polizeichef Aufklärung binnen drei Tagen unter Androhung äußerster Konsequenzen im Falle der Erfolglosigkeit. Da kein Mörder auffindbar ist, folgt aus Feigheit und Angst eine ganze Reihe von Verleumdungen und Denunziationen. Als das Chaos seinen Höhepunkt erreicht, hält der Tyrann Gericht über seine in Lügen verstrickten Untertanen und erklärt, daß er selbst der Täter war und tötete, um Verrat zu sühnen. Aber die Anklage fallt auf ihn zurück. Seine Schuld ist größer als die der Untertanen, denn er hat sich Rechte des höchsten Richters angemaßt und ist der Versuchung erlegen, sich als gottähnlich zu betrachten. Von dem sowjetischen Literaturwissenschaftler Ilja Fradkin im Nachwort zur hier vorgelegten DDR-Ausgabe des berühmten Romans als einer der typischsten Vertreter der sinneren Emigration» gewertet, hat Werner Bergengruen (1892 bis 1964) seinen spannungsstarken Bericht «von den Versuchungen der Mächtigen und von der Leichtverführbarkeit der Unmächtigen und Bedrohten» zuerst 1935 veröffentlicht, als sich einer ganzen Nation die Fragen stellten, die er den Gestalten seines Buches zu stellen gedachte: «Jetzt verstand es sich von selbst, daß mein Buch nach der Antwort nicht nur auf immer anpochende Menschheitsfragen, sondern auch auf die konkreten Fragen der deutschen Gegenwart zu suchen hatte.» Der heutige Leser wird den in viele Sprachen übersetzten, verfilmten und dramatisierten Roman aus der gewachsenen Kenntnis der gesellschaftlichen Ursachen von Machtmißbrauch und Verführbarkeit aufnehmen und als bleibendes Zeugnis bürgerlichhumanistischen Widerstandes gegen den Faschismus werten.