Der hinkende Teufel - Buch
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Es ist dies das Buch, das Lesage in dieser oder jener Form hundertfach wieder in Angriff nehmen und von neuem schreiben wird als das Gesamtbild des Menschenlebens, als bewegte Heerschau aller Stände mit den Schlichen, Lastern und Lächerlichkeiten, wie sie einem jeden eigen sind. Man vergegenwärtige sich die Verfassung, in der die Geister waren, als "Der hinkende Teufel" erschien, jenes grämliche, gelangweilte, unselige Alter Ludwigs XIV., jene auf allen lastende gebotene Frömmigkeit, jenes Dekorum, das nun unbehaglich und beengend geworden war. Und plötzlich schwingt sich Asmodi mit seinem Schüler hinauf zu einem Turm, gewissermaßen empor zu den Türmen von Notre-Dame, lüftet im Umsehen alle Dächer der Stadt, und man hat jederlei Heuchelei, jederlei Vorspiegelung in ihrer Nacktheit vor Augen, man guckt dem Leben in die Karten. Das allumfassende Gemälde zeigte sich in hellem Tageslicht. So hatte dieser Asmodi ungeheuren Erfolg. Man ließ ihm nicht einmal Zeit, sich anzuziehen, wie die damaligen Kritiker sagten, man setzte sich auf die Extrapost, ihn nur broschiert zu ergattern. Zwei Auflagen erschienen in einem Jahr. ›Die dritte ist in Arbeit‹, kündigte - im Dezember 1707 - das Verduner Journal an, im Laden der Barbin zogen zwei Herrschaften vom Hof den Degen, um das letzte Exemplar der zweiten Auflage zu erlangen‹.
Sainte-Beuve (1850)