Duell mit der Abwehr - Buch
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Ruttschenko ließ Lomow einige Male zu sich kommen. Er unterhielt sich mit ihm über verschiedene Themen und bot ihm sogar Tee an. Einmal schlug er ihm vor, Schach zu spielen. Sie stellten die Figuren auf. Lomow machte Zug um Zug und überlegte: Warum zieht er die Sache so in die Länge? Ruttschenko saß da, summte etwas vor sich hin und schob mitseinen fleischigen Fingern die Figuren. Dann sagte er: "Ich saß hier unlängst mit einem Burschen wie dir. Aber plötzlich stellte sich heraus, daß er ein sowjetischer Agent war. Er mußte gehängt werden." Er sah Lomow mit prüfendem Blick, dem dieser nur mit Mühe standhielt, in die Augen. Seine ganze Willenskraft zusammennehmend, antwortete der Aufklärer ruhig: “Die Menschen sind halt verschieden.” “Eben, die Menschen sind verschieden. Berücksichtige das. An diesem Ast dort haben wir ihn aufgehängt” , sagte Ruttschenko und wies auf das Fenster, hinter dem die Krone einer alten Eiche sichtbar war. “Wenn du zur Polizei gehst, lernst du etwas hinzu, kannst dich herausfuttern - und dann an die Arbeit. Na? Ist das das Richtige?” "Ich weiß nicht. Was würden Siemir raten?" "Geh und freu dich. Sonst verreckst du im Lager. Und wenn du dich bewährst, werde ich dafür sorgen, daß du zur Aufklärung kommst." “Als Spion?” “Nicht als Spion, du Dummkopf, das ist vorläufig noch nichts für dich. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers - und dem Schlosser, was des Schlossers ist”, ergänzte Ruttschenko das Sprichwort. “Du wirst Polizist: Wir brauchen fixe Polizisten.” “Als Spion wär's interessanter.” Viktor dachte laut. “Aber dazu muß man viel lernen. Ich werde mich bemühen, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.” “Kannst gehen!'” Gebt dem Kaiser, was des Kaisers - und dem Schlosser, was des Schlossers ist, wiederholte Viktor in Gedanken Ruttschenkos Worte und murmelte vor sich hin: “Ich werd' dir noch zeigen, was ein sowjetischer Schlosser ist, du weiße Kanaille!”
Viktor Lomow war einer aus der Schar kühner Kundschafter, die die sowjetische Spionageabwehr auf die Seite des Gegners schickte, um dessen Pläne auszukundschaften und so die Möglichkeit zu schaffen, diese Vorhaben von vornherein zu vereiteln. An der unsichtbaren Front des Großen Vaterländischen Krieges fand ein erbittertes Ringen zwischen den Sicherheitsorganen der Sowjetunion und den militärischen Geheimdiensten der Faschisten statt. Dieses Buch berichtet in spannenden Episoden vom Kampf der Tschekisten an der
Leningrader Front.