Wir haben ihn nun - Buch
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An einem Dezemberabend im Jahre 1942: Kurz vor der schwedischen Grenze stößt eine Gruppe norwegischer Juden auf eine deutsche Patrouille. Fünf von ihnen erreichen nach verzweifeltem Lauf schwedisches Gebiet - die anderen, die Alten, erwartet der Transport ins Vernichtungslager. Ein Offizier, überraschend aufgetaucht, übernimmt das Kommando, befiehlt den Abmarsch der Soldaten, treibt die verwirrten Flüchtlinge über die Grenze und verschwindet. Die kühne Rettungstat spricht sich schnell herum, doch der Mann in der
»falschen« Uniform kann seine Identität geheim halten. Wilfred Sagen ist ein Doppelgesichtiger, der den Okkupanten diskrete Dienste erweist, aber - ungebeten und anonym - auch den Patrioten hilft, einer, von dem niemand weiß, auf welcher Seite er in diesem erbarmungslosen Kampf steht. Einst gefeierter Dichter und Maler, hat Wilfred Sagen den Glauben an die Wirkung der Kunst verloren, persönliche Glückserwartung aufgegeben und sich in innere, elitäre Einsamkeit zurückgezogen. Als zynischer Beobachter genießt er nun den Reiz eines makabren Spiels, bei dem er, Stimmungen folgend, schicksalhaft eingreifen kann, um Menschen zu retten oder ihren Tod zu bestimmen. Der Ausgang des Krieges berührt ihn ebenso wenig wie seine persönliche Verantwortung, der er sich schließlich stellen muß.
Mit dem Roman »Wir haben ihn nun« erscheint der dritte, in sich geschlossene Band einer Trilogie, deren erste Teile unter den Titeln »Lillelord« (1980) und »Die dunklen Quellen« (1984) bei Volk und Welt veröffentlicht wurden. Der norwegische Erzähler, Dramatiker und Essayist Johan Borgen (1902-1979) beschreibt in der Trilogie, seinem Hauptwerk, die widerspruchsvolle psychische und geistige Entwicklung eines bürgerlichen Künstlers, der an seinem abstrakten Lebensideal scheitert. Vom selben Autor erschienen bei Volk und Welt auch der Roman »Ein Mann namens Holmgren« (1970) und die Erzählungenauswahl »Der Stern« (Spektrum Reihe, 1973).