Städte und Jahre - Buch
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Wäre das von Handlungen überquellende Buch nichts anderes als ein Photographienalbum der Städte und Jahre im Krieg und Bürgerkrieg, so müßte es schon darum unschätzbar sein. Aber es geht weiter, es nimmt auch Stellung. Konstantin Fedin sagt immer wieder: das hier ist gut, das hier ist wichtig und notwendig, und jenes ist schlecht, weil es in Deutschland ist, weil dort die Menschen gar nicht die Revolution, weil sie ihre Ruhe, ihre Weißwürste und ihr Bier haben wollen. Wie dieses Buch energisch Stellung nimmt, wie der Autor einen verhungernden Professor in Petrograd sich Andrej gegenüber glücklich preisen läßt, weil er in diesen schrecklichen Nächten in Petersburg neben Rotgardisten Schützengräben ausheben durfte, das ist überzeugend geschildert. Jede der Seiten, in denen die Kälte und die Einsamkeit und der Zerfall Petrograds protokolliert wird, jede dieser Seiten, die die Schrecken des Partisanenkrieges nicht beschönigen und nicht verteidigen, ist ein dichterisches Dokument für die Kämpfe, Leiden, Siege und für die unzähligen Helden der russischen Revolution, von denen wir immer wieder lesen und hören sollen und lernen.
Egon Erwin Kisch