Cover von Berliner Reigen
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Buch
Originaltitel
Originalsprache
Englisch (Amerikanisch)
Erstveröffentlichung
1980
Band (Reihe)
-
Typ
Buch
Genre
Belletristik: Roman
Auflage
Sprache
Deutsch
Übersetzt von
Michael Walter
Verlag
Jahr
1984
Seitenanzahl
435
ISBN
-
EAN
-
Ausgabe
Taschenbuch
Auflage
Erstauflage
Inhalt/Klappentext

Arthur R. G. Solmssen verfaßte einen Gesellschaftsroman besonderer Art: Er führt exemplarisch Menschenschicksale im Zeitgeschehen vor und veranschaulicht. Zeitgeschichte an den Lebenswegen gefährdeter Menschen. Schauplatz der Handlung ist das Deutschland der Jahre 1922/23 mit seinen grellen Gegensätzen: Der Ernüchterung nach dem Ersten Weltkrieg war der Katzenjammer der Reaktion auf den Versailler Vertrag gefolgt. Das Signal, das rote Matrosen im November 1918 in Kiel setzten, hatte Hoffnungen bewirkt, die etablierte alte Ordnung zu stürzen - doch die Konterrevolution marschierte offen. Nun zeigt sich die Ohnmacht der Weimarer Republik von Tag zu Tag mehr; Gewalt und Terror alter militaristischer Prägung überziehen das Land. Eine Inflation ungeheuren Ausmaßes, gesteuert vom deutschen Finanzkapital, nimmt ihren Lauf: Die Kurse steigen. Am 20. November 1923 wird der Dollar an der Berliner Börse mit 4,2 Billionen Mark notiert. Die Herren Krupp und Stinnes werden reicher, der „kleine Mann“ zahlt die Rechnung und hungert. In das Berlin jener Tage gerät der junge Amerikaner Peter Ellis, der seine Malstudien fortsetzen will. Berlin - erbarmungswürdig und verführerisch zugleich, blasiert und abgebrüht -, Berlin, in dem sich überschwappende Genußfreude mit Laster und Sensation paart - kurz, Berlin läßt eine frivole Großstadtgesellschaft à la Otto Dix und George Grosz an dem Helden vorbeiparadieren, angesiedelt am Tauentzien und in den Amüsierlokalen der Friedrichstraße, im vierten Hinterhof oder in nobler Beletage. Jüdische Bankiers und deren Anwälte, Geschäftsleute, Börsenjobber und Schwarzmarktgewinnler aller Art kreuzen seine Bahn ebenso wie abgetakelte Generäle, Aristokraten, Mordschützen des Kapp-Putsches oder Maler, Dichter, Musiker mit Schöpfermut und energischer Besessenheit. Der junge Mann beobachtet in dieser Zeit voller Spannungen und Versprechen den Ausverkauf der Werte und Ideale auf einem Markt, der stets Vertrauen, Uneigennutz und positive Gefühle gegen falsche nationale Embleme, gegen „Zucht und Ordnung“ tauschte. Kleinbürger werden verführt, Großbürger, so sie nicht selbst mittun, übersehen das Menetekel. Jene, die die Triebkräfte geschichtlicher Veränderungen benennen, werden mundtot gemacht. Als Peter Ellis Ende 1923 wieder nach Philadelphia reist, läßt er ein Deutschland hinter sich, in dem unaufhaltsam die Drachensaat der künftigen braunen Machthaber aufbricht.