Dreigroschenroman - Buch
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Bertolt Brechts Herz schlägt für die Mißhandelten und Erniedrigten wie je, es klagt nicht und jammert nicht, das hat es nie getan, es hämmert aus der Anklage ein Instrument zurecht, das den Schäden und Verlogenheiten, den feigen Brutalitäten und den getarnten Ausbeutungen wie ein scharfes und sicher geführtes Messer zu Leibe rückt. Das Messer legt die Pesthöhlen frei mit ruhigen, klaren Schnitten. Manchmal ist es, als eröffne es Harmloses. Das Harmlose zeigt hintergründig und in der Tiefe den schrecklichen Zustand der Verseuchung. In einer vertrackten Weise erläutern und verteidigen die rhetorisch begabten Untäter durch Gespräche und Selbstgespräche ihre Handlungen, sie reinigen sich - und stehen um so beschmutzter da. Brecht hat die unheimliche Fähigkeit, den dicken Mantel der biederen Worte, der trefflichen Argumente, des, ach, so uneigennützigen Wollens transparent zu machen. Dahinter kriecht ein Gewürm, unermeßlich, aus sich selbst sich gebärend, anscheinend unerschöpfbar. Brecht hat die Fähigkeit, schneidende Formulierungen zu geben; sie schaffen eine Eiseskälte - gewollte Kälte, die dein Hirn wachruft. Und er hat zum dritten die Gabe, aus der Sachlichkeit, aus der berichtenden Strenge, aus der Verhaltenheit, aus der ganz zugedeckten Inbrunst die Liebe aufspringen zu lassen. Sein „abstoßendes“ Buch ist nichts als Liebe zur leidenden Kreatur.
Alexander Moritz Frey