Kein Spielraum - Buch
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Ed Lacy ist der Autor einer Vielzahl von Kurzgeschichten, Romanen und Kriminalromanen, die in den USA beachtlichen Erfolg hatten. Es scheint müßig, sich darüber zu streiten, ob der Kriminalroman zur Literatur gehört oder nicht: Millionen Leser sind ihm leidenschaftlich zugeneigt und konsumieren ihn regelmäßig. Die Literaturgeschichten ignorieren ihn im allgemeinen hochmütig oder erwähnen ihn allenfalls am Rande als eine Art literarischen Bastard, dessen enorme Popularität bedauerlich und fast anstößig ist. Die Wandlungen, die der Kriminalroman im Laufe seiner Existenz durchgemacht hat, von der sprachlich und psychologisch kunstvoll ausgefeilten Story eines Edgar Allan Poe über die biedere Detektivgeschichte eines Sir Arthur Conan Doyle bis zum „harten“, realistischen Krimi eines Dashiell Hammett und eines Raymond Chandler und schließlich zum primitiven Schocker eines Mickey Spillane, spiegeln die gesellschaftlichen Wandlungen eines Jahrhunderts wider. Daß ein Kriminalroman ein aufschlußreiches soziales Dokument sein kann, beweist Ed Lacy mit „Kein Spielraum“, der 1957 den Edgar-Allan-Poe-Preis der amerikanischen Kriminalschriftsteller erhielt. Ein spannender Mordfall wird hier mit einer ungewöhnlichen gesellschaftlichen Thematik verknüpft: des Mordes verdächtig ist ein farbiger Privatdetektiv, der den Fängen der negerfeindlichen Polizei zu entkommen vermag und durch systematische Sucharbeit am Ende den weißen Mörder glücklich zur Strecke bringt. Diese Fabelführung gibt dem Autor Gelegenheit, die prekäre soziale Stellung eines gebildeten Negers sowohl in New York wie im Süden der Vereinigten Staaten anschaulich zu demonstrieren - zu zeigen, wieviel Raum zu leben, wieviel Spielraum ein Farbiger in einer von Rassenvorurteilen erfüllten Gesellschaft besitzt. Der Detektiv Toussaint Moore entdeckt, daß dieser Spielraum selbst in New York zu klein für ihn ist: er beschließt, seinen für einen Neger zu anspruchsvollen und zu gefährlichen Beruf an den Nagel zu hängen. Sein Traum von einem bescheidenen, aber sauberen Dasein als Postbote, einem kleinburgerlichen Idyll ist reine Resignation - aber wird seine Resignation endgillig sein?