Seine Exzellenz der Herr Minister - Buch
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Alphonse Daudet (1840-1897), dem deutschen Leser meist nur durch den „Tartarin von Tarascon“ und die „Briefe aus meiner Mühle“ bekannt, zeichnet in diesem Roman das Bild eines Politikers, wie ihn das korrupte Regime Napoleons III. hervorgebracht und die Verhältnisse nach der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 gefordert haben. Ein "großer Mann“ der Dritten Republik wird darin Stück für Stück seiner ministerialen Würde entkleidet, und zum Vorschein kommt ein Winkeladvokat aus der Provence, der bedenkenlos Überzeugungen, Freunde, ja sogar seine eigene Frau verrät - eine Existenz, auf leere Versprechungen und platte Lügen gegründet, die, nationale Unterschiede abgerechnet, eine französische Entsprechung zu Heinrich Manns „Untertan“ darstellt. Die humorvolle Schilderung der Charaktereigenschaften der Südfranzosen, als deren Meister Daudet in die Literaturgeschichte eingegangen ist, verschärft sich hier zu einer Satire auf den Karrierismus und die Überzeugungslumperei eines Politikertyps, für dessen Konterfei die Minister der damaligen französischen Regierung Modell gestanden haben. Mit dem vorliegenden Roman rückt der Dichter in die Nähe der grofen französischen Gesellschaftskritiker Emile Zola und Anatole France.