„Als Hilfe und Zuflucht der Liebenden will ich hundert Geschichten, Fabeln, Parabeln oder wahre Geschehnisse, wie man sie nennen will, berichten, die in der vergangenen Pestzeit an zehn Tagen von einer, wie man bald mit Bestimmtheit erkennen wird, achtbaren Gesellschaft von sieben Damen und drei jungen Männern erzählt wurden. Die Geschichten wissen von süßen und bitteren Liebesabenteuern und vielerlei wunderlichen Begebenheiten aus alter und neuer Zeit.“ So beginnt um das Jahr 1350 Messer Giovanni Boccaccio aus Florenz sein Buch, das er „Dekameron“, Zehntagewerk, nennt. Bald geht das Manuskript von Hand zu Hand, es wird abgeschrieben, Bänkelsänger erzählen Boccaccios Geschichten auf Straßen und Plätzen, Nachahmer machen sich ans Werk. Als der Buchdruck erfunden wird, ist das „Dekameron“ einer der ersten Bestseller, auch die Inquisition, die im 16. Jahrhundert das Werk auf den Index setzt, kann seinen Ruhm nicht schmälern Mit Neugier und Vergnügen betreten auch wir Heutige diese farbige, sinnenfrohe Welt, erobern uns aufs neue den unvergänglichen Hymnus auf das Irdische, auf die Freuden der Liebe, auf den Sieg von Klugheit und Witz des Menschen.
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