Dies ist die Chronik eines ganz gewöhnlichen Mietshauses in einer europäischen Großstadt. Was diese Chronik ungewöhnlich macht, was sie zu einer Legende, zur Leidensgeschichte verfolgter und gequälter Menschen werden läßt, ist die Zeit, von der sie handelt. Das Unheil hebt mit dem 15. März 1939 an, dem Tage, an dem Hitlerdeutschland die Tschechoslowakei überfällt und deutsche Truppen in Prag einmarschieren. Die Leute aus dem Haus in der Karpfengasse werden durch die Ereignisse aus ihrer gewohnten Bahn geworfen, sie stehen unerwartet vor einer tragischen Wende. Das Außergewöhnliche, das in ihr Leben getreten ist, reißt sie aus ihrer bisherigen Anonymität,
weckt verschüttete Gefühle und Gedanken. Die Konfrontation mit der brutalen Gewalt sprengt die engen Grenzen ihrer bisherigen Existenz. Auch dann, wenn sie an der Unmenschlichkeit zerbrechen, bleibt ihre Menschenwürde unversehrt. Man kann sie nicht mehr vergessen: den rebellierenden Konditormeister Wokurka, das rührende alte Ehepaar Kauders, Erdgeschoß links, das Mädchen Božena, den „prophetischen Pessimisten“ Leo Mautner, den geheimnisvollen Herrn Neplatka aus dem Dachgeschoß - vor
allem aber die fast legendäre Gestalt des „harmonikaspielenden Hussitenknaben“ Bedřich. Der leidenschaftliche Humanist M. Y.Ben-gavriêl hat mit seiner Chronik des Hauses in
der Karpfengasse den ungezählten, namenlosen „Alltags“-Menschen, die Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft wurden, einbleibendes Denkmal gesetzt.
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