Adalbert Stifter (1805-1868). Zu seinen bedeutendsten Werken gehört der den Traditionen der deutschen Klassik verpflichtete Roman „Der Nachsommer“. Einflüsse der literarischen Vorbilder Goethe und Jean Paul sind spürbar; Stifter notierte, das Buch sei „mit Goethescher Liebe zur Kunst“ geschrieben, „mit inniger Hingabe an stille, reine Schönheit“ empfangen und gedacht. Lange ist um den Wert des Werkes gestritten worden. Hebbel und andere Zeitgenossen kritisierten den Rückzug in die häusliche Idylle. Nietzsche dagegen nannte es ein Buch, das es verdiene, wieder und wieder gelesen zu werden, und auch Hugo von Hofmannsthal pries die gewaltige Glaubensfassung und die großartige Grundhaltung des Dichters. Arno Schmidt bemängelte in seinem Essay „Der sanfte Unmensch“ sicher zu Recht, daß sich Stifter politischen Ereignissen und sozialen Problemen der Epoche verschließe, doch ließ er dem Verfasser des „Nachsommers“ in vielen Passagen dieses Textes nicht die Gerechtigkeit widerfahren, die ihm gebührt. Der ungebrochene Glaube Stifters an die Vervollkommnung des Menschen, sein streitbarer Humanismus haben diesen Epilog zum klassischen Thema der „Erziehung des Menschengeschlechts“ bis heute lebendig erhalten.
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