Der Verlag Philipp Reclam jun. wurde 1828 in Leipzig von Anton Philipp Reclam (1807–1896) gegründet. Seinen bekannten Namen erhielt der Verlag 1837; bald darauf entwickelte er sich zu einem der wichtigsten deutschen Literaturverlage.
Ab 1867 begann der Verlag mit der Herausgabe der Reclams Universal-Bibliothek (RUB), einer preisgünstigen Taschenbuchreihe mit Klassikern und Bildungstexten. Die Universal-Bibliothek wurde schnell zur bedeutendsten Taschenbuchreihe des deutschsprachigen Buchmarkts und machte Literatur einem breiten Publikum zugänglich. Sie gilt als die älteste noch bestehende deutschsprachige Taschenbuchreihe und umfasst heute mehrere tausend Titel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es infolge der deutschen Teilung zu einer Spaltung des Verlages in zwei rechtlich eigenständige Unternehmen:
- In der Sowjetischen Besatzungszone wurde der Verlag als Reclam Leipzig weitergeführt.
- 1947 gründeten Mitglieder der Familie Reclam in Stuttgart die Philipp Reclam jun. Verlag, die dort die Universal-Bibliothek neu aufbaute. Der Hauptsitz wurde 1980 nach Ditzingen bei Stuttgart verlegt.
Während der Zeit der deutschen Teilung existierten somit zwei rechtlich getrennte Reclam-Verlage, die jeweils eigene Ausgaben der Universal-Bibliothek veröffentlichten. Diese unterschieden sich nicht nur juristisch, sondern auch deutlich im Erscheinungsbild, in Typografie, Satzgestaltung, Papierqualität und Umschlagdesign. Zwar waren beide Reihen formal als „Reclams Universal-Bibliothek“ erkennbar, doch Kenner können Leipziger und Stuttgarter Ausgaben optisch klar voneinander unterscheiden.
Nach der Wiedervereinigung verschwand die Leipziger Ausgabe weitgehend vom Markt, während die Stuttgarter Universal-Bibliothek bis heute das prägende Profilprodukt des Verlages geblieben ist.
In der Zeit von 1947 bis 1990 existierten zwei rechtlich voneinander unabhängige Reclam-Verlage, die sich auch in ihrer Verlagsangabe und im Erscheinungsbild unterschieden.
Die Ausgaben aus der DDR trugen im Impressum die Bezeichnung
„Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig“.
Die Ausgabe aus der BRD erschienen dagegen unter der Angabe
„Philipp Reclam jun. Stuttgart“.
Damit handelte es sich nicht lediglich um unterschiedliche Standorte eines einheitlichen Verlages, sondern um zwei getrennt agierende Unternehmen, die jeweils eigene Programme, eigene Herstellungsbedingungen und eigene ISBN-Nummern verwendeten.
Auch typografisch und gestalterisch lassen sich die Leipziger und die Stuttgarter Ausgaben deutlich voneinander unterscheiden.
Auch die ISBN-Nummern spiegeln diese Trennung wider:
Der Verlagsnummernblock „3-379…“ ist dem Leipziger Verlag zugeordnet. Die Stuttgarter Ausgaben besitzen andere Verlagsnummernblöcke.