Februar 1829. Um das Gebäude der russischen Mission in Teheran sammelt sich, von fanatischen Mullas zum Heiligen Krieg aufgeputscht, eine wütende Menschenmenge. Tausende sind es, die nach erbittertem Kampf in das verwüstete Haus eindringen und die Missionsangehörigen bestialisch niedermetzeln, unter ihnen den Bevollmächtigten Minister Rußlands in Persien, den Wesir-Muchtar - Alexander Gribojedow. So tragisch endete ein zwiespältiges Dichter- und Beamtenleben. Gribojedow hatte sich den reformwilligen Kräften Rußlands angeschlossen, die in seiner - wegen der strengen Zensur nur handschriftlich verbreiteten - geistvollen Komödie „Verstand schafft Leiden“ den meisterlichen Ausdruck ihrer Intentionen sahen; er stand auch den Offizieren des gescheiterten Dekabristenaufstands nahe, die am 14. Dezember 1825 die Selbstherrschaft stürzen wollten. Seit 1817 im diplomatischen Dienst, entfloh er dem mondänen Leben der Hauptstadt, den Geldforderungen der gefürchteten Frau Mama und den Folgen eines Duells und wurde in Tiflis Sekretär des russischen Oberbefehlshabers im Kaukasus. In Tiflis lernte er auch die Tochter des georgischen Dichters Tschawtschawadse kennen, die er kurz vor seinem gewaltsamen Tode heiratete. Gribojedow war es, der nach dem russischpersischen Krieg 1828 in zähen Verhandlungen mit dem persischen Thronfolger den für Rußland vorteilhaften Frieden von Turkmantschai aushandelte. Seine Rückkehr nach Petersburg wurde zum persönlichen Triumph: Nachdem er Nikolaus I. den Friedensvertrag überreicht hatte, wurde er mit Ehrungen überhäuft. Aber sein geheimster Wunsch ging nicht in Erfüllung: Sein Projekt einer autonomen transkaukasischen Handels- und Manufakturgesellschaft (ähnlich der Ost-Indischen Kompanie), deren Chef er zu werden hoffte, scheiterte am Mißtrauen der zaristischen Bürokratie. Der unbequeme Gribojedow wurde hoch- und fortgelobt: Als Bevollmächtigter Minister in Persien sollte er über die Zahlung der enormen Kriegskosten wachen, eine Aufgabe, die ihm den Haß des ruinierten Landes sicherte. Sein aufopfernder Dienst wurde postum schlecht gelohnt: Zar Nikolaus überantwortete „das leidige Vorkommnis von Teheran ewiger Vergessenheit“. Der Autor dieses historischen Romans, Juri Tynjanow (1894-1943), ist dem Leser in der DDR gut bekannt durch seine Romane „Küchelbecker“ und „Puschkin“, den Novellenband „Der Minderjährige W.“ sowie den Band „Der Affe und die Glocke“ mit Erzählungen, einem Dekabristen-Drama und literaturwissenschaftlichen Essays. „Der Tod des Wesir-Muchtar“ ist ein großartiges Lebens- und Sittenbild Rußlands und Persiens im 19. Jahrhundert. Juri Tynjanow weiß über zeitgenössischen Theaterklatsch, über Poesie, über Vaterlandsverrat ebenso fesselnd zu plaudern wie über Eunuchen im Harem und in der Politik, über Münzprägung und Kriegskunst.
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