Choderlos de Laclos war ein Soldat der Revolution. Er war es als General bei der Rheinarmee und der in Italien, und er war es in seinem Buch. Es erschien 1782, noch drei Jahre vor „Figaros Hochzeit“, und e sist als Parteischrift gemeint. Valmont und die Merteuil bedeuten die Verkommenheit des Adels; als dritte Hauptfigur vertritt die von den beiden Verbrechern zu Tod gequälte Prasidentin Tugend und Frommigkeit des Bürgertums. Als junger Offizier hat Laclos die ersten Blicke auf die glänzendste Gesellschaft Europas geworfen, und ein Mensch mit Künstlerinstinkten konnte sie schwerlich ansehen, ohne sie insgeheim an sich zu reißen, sie in seinen Träumen zu verschlingen. Er wird das alles begehrt haben, alle Eleganz, allen Ruhm der Roues, alle Frauen. Die Merteuil war die Krone von allem: er wollte sie haben. Sicher ist, daß niemand eine Frau so in Worte einfängt, er hatte sie denn geliebt. Es wird ihm in der Phantasie ergangen sein wie Valmont in der Wirklichkeit; er wird, sich hindurchträumend durch Verfeinerungen, von der Merteuil zu der Tourvel gelangt sein. War er doch Valmont! Wie hätte er sich später seiner so gut entsonnen, wenn er ihn damals nicht in sich gehabt hatte? Laclos trägt sein einziges Buch lange aus, es kommt vollreif zutage; die Briefe, in denen er es komponiert, werden ohne ein Schwanken hingeschrieben, ohne ein Durchstreichen. Es ist das Werk eines Vierzigjährigen, ein Werk von der Lebenshohe, und ein Meisterwerk.
Heinrich Mann
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