Goethes "Wilhelm Meister“, der Grundtyp des Entwicklungsromans, ist zugleich der erste größere Entwurf eines Gesellschaftsromans in Deutschland, mit ihm beginnt die seither nicht mehr abreißende Reihe der Künstlerromane. Er ist Theater-, Bildungs- und Weltanschauungsroman im wegweisenden Sinne - ein Quell der Lebensweisheit und Menschenkenntnis, und bei alledem ein lebendiges, mit heiterer Souveränität geschriebenes Buch, eine in klaren, wohlabgemessenen Zügen erzählte Geschichte, die durch das reiche Gedankengut, das sie befördert, nichts von ihrer Leichtigkeit verliert. Den eigentlichen Grund für die Unversiegbarkeit des Interesses an diesem Roman hat vielleicht Gottfried Keller ausgesprochen, als er ihn das „realitätssüchtigste Buch von der Welt“ nannte.
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