Das siebte Kreuz - Buch
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DIE DEUTSCHE LANDSCHAFT - und zwar die zwischen Mainz und Worms, ein Mosaik unzähliger Bilder und Eindrücke - leuchtet und duftet in diesem Roman wie vielleicht in keinem andern deutschen Buch seit den Tagen der Romantik. Zu dieser Heimat gehören nicht nur der Rhein mit seiner Natur, nicht nur seine tausendjährige Geschichte, die Dome, Gassen und Heerstraßen, sondern das Volk, das die Anmut dieser Taler und Hugel schuf und widerspiegelt. Der fast verwirrende Reichtum an Figuren, die zuweilen mit der eigentlichen Handlung des Romans nur sehr losen Zusammenhang haben und nur mit Vornamen genannt werden - Ernst, Sophie, Eugenie, Lotte - oder mit Spitznamen wie Zimt-
hütchen, Pfeffernüßchen, Hechtschwänzchen, Holzklötzchen, entstammt einem unverblaßten Vorrat an Kindheits- und Jugenderinnerungen. Ihr sanfter Glanz erhöht als Kontrast die Bitterkeit des Geschehens, mit dem sie in einem tiefen, sehr notwendigen Zusammenhang stehen. Ohne dies tausend kleinen und kleinsten Vorgänge und Bilder, ohne das
geschäftige Gewimmel derer, die in ihrer pulsierenden Buntheit und Unverwüstlichkeit gezeichnet werden, wären die Proportionen des Romans falsch, erschiene die Allmacht der Tyrannen ebenso wie die Qual ihrer Widersacher zu grenzenlos, das Bild Deutschlands zu düster, zu blutig.
Wieland Herzfelde