Verlorene Illusionen - Buch
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Die „Illusions perdues“ sind ein Zeitgemälde von einem Realismus und einer Lebensbreite, wie es die franzosische Literatur bisher noch nicht gekannt, daneben und im tiefsten aber die entscheidende Auseinandersetzung Balzacs mit sich selbst. In zwei Gestalten stellt er dar, was aus einem Dichter wird und werden kann, wenn er streng und treu bei sich und seinem Werke beharrt, oder wenn er der Versuchung einer raschen und unwürdigen Berühmtheit nachgibt. Lucien de Rubempré ist seine innerste Gefahr, Daniel d'Arthez sein innerstes Ideal. Balzac weiß um die Doppeltheit seiner Natur: er weiß, daß in ihm ein Dichter latent ist, unverbrüchlich zum Äußersten strebend, jeder Konzession sich verweigernd, jedes Kompromiß ablehnend, völlig allein inmitten der Gesellschaftaber ebenso erkennt er seine zweite Natur, den Genußmenschen in sich, den Verschwender, den Sklaven des Geldes, der immer wieder kleinen Eitelkeiten verfällt und wehrlos ist gegen die Verführungen des Luxus ... Mit der grausamen Kenntnis, die ihm Jahre der Fron für die Zeitungen gegeben, mit all der Bitternis, die er durch den Haß des Klüngels in sich eingesogen, entlarvt Balzac den ganzen Betrieb der öffentlichen Meinung, der Theater, der Literatur in Paris, dieser Welt, die, weil sie innerlich brüchig ist, sich gegenseitig stützt und gleichzeitig hinterrücks befeindet. Und obwohl nur als Ausschnitt des Paris jener Zeit und jenes engeren Kreises gedacht, werden die „Illusions perdues“ ein Vollbild und gültig für alle Zeiten. Sie sind ein Buch des Stolzes und der Empörung, eine Mahnung, sich nicht gemein zu machen aus Ungeduld und Gier, stark zu bleiben und immer stärker zu werden an dem vervielfachten Widerstand.
Stefan Zweig