Die Nackten und die Toten - Buch
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Eine amerikanische Division erobert während des zweiten Weltkrieges eine kleine, von den Japanern besetzte Pazifikinsel. Dieser militärische Mikrokosmos wird in Norman Mailers Gestaltung zum Ausgangspunkt für die kritische Betrachtung der U.S.Army und ihrer Führungsschicht. „Die Bestimmung des Menschen im zwanzigsten Jahrhundert ist Angst“, so stellt der machtbesessene General Cummings in Anlehnung an Nietzsche und die faschistische Ideologie fest. Das Einzelwesen, der amerikanische G.I. gilt ihm nichts, ist bestenfalls eine manipulierbare Schachfigur. Was der General - ein zynischer Supermanager, ein ins Unmenschliche gesteigerter Repräsentant des „amerikanischen Jahrhunderts“ - philosophisch verbrämt als Anleitung zum Handeln gibt, setzt der brutale Sergeant Croft gewissenlos in die Tat um. Die ihm unterstellten Männer sind seelisch, moralisch und geistig fast ohne Ausnahme verkrüppelt, gezeichnet von den Erfahrungen in der Armee und den Wunden, die ihnen Rassismus, Ausbeutung, Unterdrückung, Haß und Mißtrauen in den USA geschlagen haben. Die dramatische Handlung, zahlreiche Episoden und Rückblenden enthüllen, wie jeglicher Widerstand, jeder innere Vorbehalt, jede rebellische Äußerung erbarmungslos im Keim erstickt wird. Und Leutnant Hearn, dessen Streitgespräche mit Cummings Höhepunkte des Romans sind, wird vorsätzlich in den Tod geschickt. Der liberale Intellektuelle ist trotz seines Zauderns und seiner Unsicherheit ein Mann, der bis zum Ende an der Machtbefugnis der Cummings und Croft zweifelt. Vergebens bemüht er sich, ihrer faschistischen Haltung echte, in jener Welt aber verpönte humanistische Ideale entgegenzustellen. Hearns idealistische, allumfassende Sehnsucht nach Menschlichkeit ist Ausdruck der humanistischen Gesinnung eines Autors, dessen Stärke im Enthüllen, nicht in der Darstellung von Lösungen besteht.
Part One – Wave
Part Two – Argil and Mold