Schau heimwärts, Engel! - Buch
Es wurden bisher keine Bewertungen abgegeben.
"Gott sitzt nicht immer im Himmel, die Welt ist nicht immer in Ordnung. Nicht alles ist schlecht, aber es ist auch nicht alles gut; nicht alles ist häßlich, aber es ist auch nicht alles schön; es ist Leben, Leben, Leben - das einzige, worauf es ankommt. Es ist wild und grausam, gütig und edel, leidenschaftlich und großmütig, dumm und häßlich, schön, schmerzlich und fröhlich - das alles ist es und noch viel mehr - und das alles will ich kennenlernen, und das werde ich, bei Gott, und wenn sie mich dafür kreuzigen. Um das zu finden, zu verstehen, werde ich bis ans Ende der Welt gehen. Und wenn ich damit fertig bin, werde ich dieses Land kennen wie meine Handfläche, und dann werde ich es zu Papier bringen, und es wird wahr und schön sein.“
Aus einem Brief an die Mutter, 1923
„O du mein Gott!“ stöhnt Ben leidenschaftlich. „Worum dreht sich alles? Kannst du es mir sagen? Kannst du es herausfinden, Eugene? Ist das Leben denn wirklich so, oder treibt jemand einen wüsten Scherz mit uns? Vielleicht träumen wir alles, glaubst du das?“ - „Ja“, sagte Eugene. „Ich glaube, daß wir träumen. Aber ich wünschte, wir würden erweckt.“
Eugene Gant aus Altamont in den Bergen weiß, daß er nur ein Träumer ist. Doch indem er inmitten von kleinbürgerlicher Enge, von Egoismus und Borniertheit an seinem Traum von einem glücklicheren Amerika festhält, revoltiert er gegen den bedrückenden Zwang seiner Umgebung. In der Geschichte des jungen Helden Eugene Gant hat Thomas Wolfe mit elementarer sprachlicher Kraft die Konflikte seines Lebens gestaltet. Aber „Schau heimwärts, Engel!“ ist nicht nur Ab- rechnung mit der eigenen Jugend und der eigenen Familie, es ist gleichzeitig eine Chronik des amerikanischen Lebens der zwanziger Jahre. Wolfes Suche nach dem Sinn des Lebens endet nicht in der Sackgasse der Verzweiflung. Sie ist in die Zukunft gerichtet, dorthin, wo eines Tages die von ihm nur erahnten Ziele Wirklichkeit werden.
6. Auflage (1. Auflage ex libris Volk und Welt)